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Zeckenschutz

Alles über Zecken und die FSME-Impfung. Außerdem: Wie Sie Borreliose erkennen und was beim Zeckenstich zu tun ist.

Zecken sind weltweit verbreitet. Sie zählen zu den Spinnentieren und sind Parasiten, die sich vom Blut zahlreicher Wirbeltiere ernähren. Bei diesem Vorgang kann eine Reihe an Krankheiten auf Mensch und Tier übertragen werden. Nicht jede Zecke überträgt Krankheiten. Wenn es doch der Fall ist, dann kommen in Österreich am häufigsten FSME und Borreliose vor. Mehr dazu lesen Sie weiter unten.

2 Zecke - © Shutterstock
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Es sind rund 800 Zeckenarten bekannt, wobei man in Österreich, Deutschland und der Schweiz am häufigsten die Schildzecke (Ixodidae) antrifft. Viele kennen Sie auch unter dem Namen „gemeiner Holzbock“.

Apotheker-Tipp

  • Meiden Sie hohes Gras und Laub und bleiben Sie beim Spaziergang im Grünen auf den befestigten Wegen.
  • Da Zecken gut klettern, sind kleine Risse in der Kleidung oder offene Schuhe kein Hindernis. Geschlossene Kleidung kann den Schutz erhöhen.
  • Tragen Sie helle Kleidung. Zecken werden auf ihr besser erkannt.
  • In der Apotheke sind spezielle Anti-Zecken-Mittel erhältlich. Es gibt sie zum Aufsprühen oder auch in Form von Gelen oder Cremes. Achtung: Der Schutz ist zeitlich begrenzt. Für Säuglinge sind diese Präparate nicht geeignet. Lassen Sie sich von Ihrem Apotheker beraten.
  • Für Kinder ab einem Jahr gibt es Sprays mit natürlichen Bestandteilen wie Citriodiol, das aus Eucalyptus citriodora gewonnen wird. Diese sind gut hautverträglich und können bis zu vier Stunden Zecken abwehren.
  • Suchen Sie Ihren Körper beim Heimkommen auf Zecken ab. Kontrollieren Sie vor allem die Kniekehlen, Brust und Bauch. Bei Kindern sollten Sie den Kopf, Haaransatz und Nacken kontrollieren (häufig betroffen).
  • All diese Maßnahmen können jedoch nicht hundertprozentig vor FSME schützen. Den einzigen Schutz bietet die FSME-Impfung.
  • Wenn Ihre Haustiere viel Freigang haben, sollten Sie diese auch regelmäßig auf Zeckenbisse kontrollieren.

Die häufigsten Mythen:

3 Picknick - © Shutterstock
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  • Lauern Zecken wirklich auf Bäumen?Nein! Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Zecken von Bäumen auf ihre Opfer fallen. In Wahrheit halten Sie sich in der Nähe des Bodens auf und lauern im Gras oder in Büschen in maximal 1,5 Metern Höhe auf vorbeikommende Wirte. Der bevorzugte Wirt einer Zecke ist ein kleines oder mittelgroßes Säugetier (zum Beispiel Mäuse, Igel, Vögel oder auch Rehe). Zecken nehmen es aber nicht so genau und klammern sich auch an Menschen oder an unsere Haustiere.
  • Sind Zecken nur im Frühjahr aktiv?Nein! Zecken verharren bei niedrigen Temperaturen in einer Art Winterstarre. Sie werden erst ab ca. fünf bis Sieben Grad aktiv. Die „Zeckensaison“ dauert ungefähr von März bis November. In warmen Wintern können Zecken aber auch aktiv werden.
  • Kann man Zecken gut ertränken?Nein! Zecken sind gute Schwimmer und überleben auch den einen oder anderen Waschgang. Ertränken hat also wenig Sinn.
  • Beißen Zecken?Nein! Wir sprechen im Alltag zwar von einem Zeckenbiss, in Wahrheit besitzen Zecken aber einen Stechrüssel, durch den sie Blut saugen, sowie scherenartige Werkzeuge. Dabei sondert die Zecke eine Art Betäubungsmittel ab, sodass wir nichts davon mitbekommen. So kann sie in aller Ruhe mehrere Tage hinweg an uns saugen. Der Zeckenbiss ist also in Wahrheit ein Zeckenstich. Bereits beim Stechen kann die Zecke mit ihrem Speichel Krankheitserreger an den Wirt übertragen.
  • Gibt es Zecken auch in der Stadt?Ja! Viele glauben, dass die Gefahr eines Zeckenbisses nur im Wald droht. Zecken kann man aber auch in Städten antreffen. Die ungeliebten Tierchen lauern beispielsweise auch in Parks oder Gärten, und zwar sowohl in der Stadt, als auch am Land. Weitere städtische „Lauer-Plätze“ sind auch Kinderspielplätze oder Schwimmbäder.
  • Muss ich mit einem Zeckenstich zum Arzt?Nein! Bei einem Zeckenstich müssen Sie nicht zwingend zum Arzt. Sie können die Zecke selbst entfernen (mehr dazu weiter unten). Ein Arztbesuch wird dann fällig, wenn grippeähnliche Symptome auftreten oder eine ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle entsteht.
  • Werde ich von jedem Zeckenstich krank?Nein! Ein Zeckenstich bedeutet nicht gleich eine Ansteckung mit Borreliose oder mit FSME. Nur ein kleiner Prozentteil der Tierchen ist tatsächlich ein Überträger.
  • Schützt die Impfung vor allen „Zeckenkrankheiten“?Nein! Wir sprechen zwar häufig von der „Zeckenimpfung“. Damit ist aber nicht gemeint, dass die Impfung vor allen „Zeckenkrankheiten“ schützt. Bisher kann damit nur FSME vermieden werden.

Was ist FSME?

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz: FSME) handelt es sich um eine Viruserkrankung, die von Zecken oder unpasteurisierter Milch auf den Menschen übertragen werden kann. Ohne Impfung kann FSME zur Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute sowie des Rückenmarks führen, bleibende Schäden hinterlassen und sogar tödlich enden.

Bei vielen Infizierten bricht die Krankheit zum Glück gar nicht aus. Rund 30 bis 40 Prozent der Infizierten werden aber tatsächlich krank. Vom Zeckenstich bis zur Erkrankung kann es dauern: Die Inkubationszeit schwankt zwischen ein paar Tagen und einem Monat.

Phase 1:

In der ersten Phase treten grippeartige Symptome auf (etwa Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen), die nach wenigen Tagen verschwinden. Häufig bleibt der Zusammenhang mit einem Zeckenstich unerkannt. Der Großteil der Betroffenen hat die Krankheit nun überstanden.

Phase 2:

Bei einem Drittel der Patienten währt die Besserung aber nur kurz. Ungefähr eine Woche nach Abklingen der ersten Phase erleben sie die zweite Phase von FSME.

Mögliche Symptome sind starke Kopfschmerzen, Genickstarre, hohes Fieber, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen, Krampfanfälle oder Atemstörungen. Möglich sind auch Schwindel, Bewusstseinsstörungen sowie Sprech- und Gehstörungen. Und in manchen Fällen treten zusätzlich Lähmungen auf.

In dieser zweiten Phase werden drei Erkrankungsformen unterschieden:

  1. Hirnhautentzündung (Meningitis)
  2. Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns (Meningoenzephalitis)
  3. Entzündung des Hirn- und Rückenmarkgewebes (Meningoenzephalomyelitis, -radikulitis)
  • In den meisten Fällen bilden sich solche schweren Verläufe innerhalb von ein bis drei Wochen aber zurück. Schwere Krankheitsverläufe können aber vereinzelt zu dauerhaften Schäden führen (zum Beispiel Lähmungen der Arme, Beine oder Gesichtsnerven) und manchmal auch zum Tod (bei 0,5 bis 2 Prozent der Betroffenen).
  • Man kann FSME mit einer Blutuntersuchung zwar feststellen, aber es existiert keine Therapie. Das Ziel der Behandlung ist daher die Linderung der Symptome. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, kann man sich nur gegen FSME impfen lassen.
  • Bei Kindern verläuft FSME meist anders. Grundsätzlich kann eine FSME-Erkrankung in jedem Alter auftreten. Meist ist der Verlauf bei Kindern aber milder und seltener mit Spätschäden verbunden.

Über den FSME-Impfstoff

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Seit mehr als 40 Jahren kommen Impfstoffe gegen FSME bei Kindern und Erwachsenen zum Einsatz. Durch ständige Forschung und Weiterentwicklung werden die Impfstoffe laufend optimiert. In Österreich sind zwei Impfstoffe gegen FSME erhältlich.

Der FSME-Impfstoff ist der beste Schutz gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis

Wer nach dem empfohlenen Impfschema geimpft ist, kann sich entspannt im Freien aufhalten, denn die FSME-Impfung bietet nahezu einen hundertprozentigen Schutz.

Im Allgemeinen wird die Impfung gut vertragen. Wie bei allen Impfungen kann es nach der FSME-Impfung zu lokalen Reaktionen, wie einer Rötung oder Schwellung und Schmerzen im Bereich der Einstichstelle kommen. Es können auch Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit, ein allgemeines Krankheitsgefühl oder erhöhte Temperatur auftreten. Diese Reaktionen sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert und einen Schutz aufbaut.

Achtung:

Die FSME-Impfung schützt nicht vor der bakteriellen Erkrankung Borreliose, die ebenfalls durch Zeckenbisse übertragen werden kann. Diese Krankheit ist gut mit Antibiotika behandelbar. Je früher sie erkannt wird, desto besser ist die Heilungschance.

Impfschemata

Falls Sie noch nie gegen Zecken geimpft wurden, erhalten Sie zunächst die Grundimmunisierung. In Österreich sind zwei Impfstoffe erhältlich. Sie haben ein unterschiedliches Impfschema:

Grundimmunisierung FSME-Immun:
1. Dosis
2. Dosis nach 1 - 3 Monaten
3. Dosis 5 - 12 Monate nach der 2. Dosis
Grundimmunisierung Encepur
1. Dosis
2. Dosis nach 1 - 3 Monaten
3. Dosis 9 - 12 Monate nach der 2. Dosis

Achtung:

Nach der ersten Dosis besteht noch kein kompletter Impfschutz!

Damit keine Lücke im Impfschutz entsteht, müssen die Auffrischungstermine eingehalten werden. Wenn die Grundimmunisierung abgeschlossen ist, erfolgt die erste Auffrischung nach drei Jahren. Danach wird alle fünf Jahre aufgefrischt.

Ab dem 60. Geburtstag wird wieder alle drei Jahre geimpft, da unser Immunsystem altert. Für die FSME-Impfung besteht nach oben hin keine Altersbegrenzung.

Für Kinder existiert ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein eigener Kinder-Impfstoff.

Auffrischungen:
Erste Auffrischung: 3 Jahre nach Abschluss der Grundimmunisierung
Weitere Auffrischungen: Vor dem 60. Geburtstag: alle 5 Jahre
Älter als 60. Jahre: alle 3 Jahre

Wie funktioniert die Impfung?

Für gewöhnlich wird die Impfung vom Hausarzt durchgeführt. Den Impfstoff besorgen Sie am besten zeitnah in Ihrer nächstgelegenen Apotheke.

In Österreich gibt es auch die Möglichkeit, sich beim Amtsarzt in der Bezirkshauptmannschaft impfen zu lassen. Außerdem gibt es in vielen Schulen, Betrieben und Gemeinden jährliche Impfaktionen.

Wenn unklar ist, ob ein ausreichender Impfschutz besteht – zum Beispiel, weil die letzte Auffrischungsimpfung schon länger fällig ist – können Sie einen Titer-Test durchführen lassen. Hierbei wird die Antikörpermenge im Blut bestimmt.

Bei einer Impfung wird das Immunsystem gegen einen bestimmten Stoff (ein Antigen) „aktiviert“, sodass wir anschließend vor einer bestimmten Erkrankung geschützt sind. Unserem Immunsystem wird eine Infektion vorgetäuscht, indem der abgeschwächte bzw. abgetötete Erreger oder auch nur ein Bestandteil von ihm dem Körper verabreicht wird. Darauf reagiert unser Organismus mit der Bildung von Antikörpern, die ihm anschließend erhalten bleiben und uns vor der Erkrankung schützen.

Wenn wir anschließend mit dem echten Stoff in Kontakt kommen, kann unser Körper sofort mit den passenden Antikörpern reagieren und die Erkrankung verhindern. Die FSME-Viren werden sozusagen vom Immunsystem zerstört.

Was ist Borreliose?

5 Borreliose Wanderröte - © Shutterstock
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Die sogenannte Lyme-Borreliose ist bei uns die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung. Sie wird von Bakterien namens Borrelien ausgelöst und verläuft in drei Stadien. Die Borrelien befinden sich im Darm vieler Zecken und werden erst nach ein paar Stunden des Anhaftens (sechs bis 48 Stunden) auf den Wirt übertragen.

Stadium 1:

Nach einer Inkubationszeit von ein paar Tagen bis zu drei Wochen tritt das Frühstadium mit grippalen Symptomen wie zum Beispiel Fieber oder Kopfschmerzen auf. In diesem Stadium bleibt die Erkrankung oft unerkannt. Bei ungefähr der Hälfte der Betroffenen zeigt sich aber ein Ausschlag rund um die Einstichstelle – die sogenannte „Wanderröte“. Selbst wenn die Rötung verschwindet, kann die Infektion aber weiter voranschreiten.

Stadium 2:

Das zweite Stadium tritt erst Wochen oder Monate nach dem Stich auf. Nun werden die großen Gelenke, die Haut, das Nervensystem oder selten auch das Herz oder die Augen befallen. Es sind zum Beispiel Schwellungen der Gelenke oder Herzrhythmusstörungen möglich.

Stadium 3:

Das dritte Stadium ist chronisch und durch Entzündungen der Gelenke und Erkrankungen des Nervensystems gekennzeichnet. Es tritt aber nur selten auf, und wenn dann erst Monate oder gar Jahre nach der ursächlichen Infektion.

Ob Sie tatsächlich unter Borreliose leiden, kann nur Ihr Arzt feststellen. Wenn die Therapie rechtzeitig begonnen wird, heilt die Krankheit meist ohne Folgen aus. Sie kann gut mit Antibiotika behandelt werden. Eine Impfung gibt es jedoch nicht.

So entfernen Sie eine Zecke

6 Zecke Pinzette - © Shutterstock
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  • Früher war es üblich, Öl, Kleber oder Alkohol auf eine Zecke zu tröpfeln, um sie umzubringen. Davon wird mittlerweile abgeraten, weil das die Infektionsgefahr erhöht.
  • Wenn Sie eine Zecke auf sich entdecken, sollten Sie diese vorsichtig mit einer Zeckenpinzette oder einer speziellen Zeckenkarte aus der Apotheke entfernen. Manchmal besitzt diese Karte zwei unterschiedlich große Einkerbungen, sodass sowohl kleine, als auch erwachsene Zecken entfernt werden können. Die Einkerbung der Karte wird unter das Tier geschoben. Anschließend wird die Karte mitsamt der Zecke angehoben. Die Zeckenkarte ist ideal für unterwegs, da sie die Form einer Scheckkarte hat und so in der Geldbörse verstaut werden kann.
  • Wenn Sie das Tier mit einer handelsüblichen Pinzette entfernen, sollten Sie darauf achten, die Zecke möglichst nicht zu quetschen und gerade herauszuziehen. Packen Sie den Plagegeist so weit vorne wie möglich an den Mundwerkzeugen und ziehen Sie ihn heraus. Desinfizieren Sie anschließend die Stelle und Ihre Hände.
  • Falls der Kopf der Zecke stecken bleibt, ist das kein Grund zur Panik. Er fällt nach ein paar Tagen von selbst ab. Falls sich die Stelle entzündet, können Sie Desinfektionsmittel auftragen bzw. zum Arzt gehen.
  • Beobachten Sie die Stelle noch einige Zeit. Falls dort eine Rötung auftritt, könnte das ein Hinweis auf Borreliose sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.
  • Zecken sollten schnellstmöglich entfernt werden, um die Gefahr einer Borreliose-Infektion zu verringern (eine Ansteckung erfolgt in der Regel erst nach Stunden). FSME kann hingegen bereits beim Zubeißen übertragen werden.