Ein Leben mit künstlichem (Darm-)Ausgang ist kein Tabu, sondern die Lebensrealität vieler Menschen. Allein in Österreich sind rund ́15.000 Personen betroffen. Doch wie sieht dieses Leben aus?

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Künstlicher Darmausgang? Für die meisten Betroffenen ist diese Aussicht ein veritabler Schock. Tatsache ist aber auch: Die meisten Patientinnen und Patienten gehen vorher einen langen Leidensweg mit starken Beschwerden – die Stomaanlage schafft meist große Erleichterung und verbessert die Lebensqualität. Doch wie kann man sich das Ganze vorstellen?

Das Wort „Stoma“ ist griechisch und bedeutet „Mund“ oder „Öffnung“. Es bezeichnet landläufig meist einen künstlichen Darmausgang, gilt aber eigentlich auch für andere künstliche Ausgänge. Der Name des betroffenen Organs wird dem Wort „Stoma“ vorangestellt. Die häufigsten Arten sind:

  • Kolostoma (Ausleitung des Dickdarms); häufigste Form
  • Ileostoma (Dünndarm); zweithäufigste Form
  • Urostoma (Harnblase); kleiner Anteil aller Stomaträger:innen

Grundsätzlich wird nämlich darauf geachtet, so viel funktionierenden, gesunden Darm wie möglich zu behalten. Deswegen wird das Dünndarm-Stoma meist auf der rechten Bauchseite platziert, das Dickdarm-Stoma eher am linken Unterbauch. Aber es kann natürlich individuelle Ausnahmen geben. Doch was macht ein Stoma überhaupt notwendig? Ein Stoma kann bei einer Krebserkrankung, einer chronisch entzündlichen Darmerkankung wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Divertikulitis, bei Stuhl- oder Harninkontinenz, bei Endometriose, Fisteln und Abszessen, bei Missbildungen oder Verletzungen im Darmbereich notwendig sein.

Ablauf

Die Bauchdecke wird geöffnet, der erkrankte Darmabschnitt entfernt und der Darm an die Hautoberfläche gebracht. Danach wird der Darm an der Haut fixiert. Es handelt sich jedoch nicht um ein einfaches Loch im Bauch. Der Darm wird wie ein Pullover-Ärmel umgeschlagen und festgenäht – sodass sich der Stuhl nach außen entleeren kann. Dazu werden Stomabeutel verwendet, die den Stuhl auffangen. Die Öffnung an sich sieht bei jedem etwas anders aus. Es ist rötlich, leicht feucht, rund oder oval.

Bei Kolostomien und Ileostomien unterscheidet man zwei verschiedene Formen:

  • Beim endständigen Stoma wird der Darm komplett durchtrennt. Der Schenkel, der „von oben“ kommt, wird aus dem Bauch ausgeleitet. Der „untere“ Rest des Darms, also der Teil nach dem Stoma, wird entweder krankheitsbedingt komplett entfernt oder verschlossen und im Körper belassen.
  • Für vorübergehende Stoma-Anlagen wird manchmal das doppelläufige Stoma gewählt. Bei dieser Variante wird der Darm nicht ganz, sondern nur etwa zur Hälfte durchtrennt. Es entlastet und schont den Darm-Teil hinter dem Stoma.

Leben mit Stoma

Die tägliche und sorgfältige Stomapflege ist das A und O, um Infektionen und Reizungen vorzubeugen. Noch im Krankenhaus lernen Betroffene, ihr Stoma zu versorgen. Dafür gibt es mittlerweile eine Vielzahl moderner Produkte, die ein aktives Leben ermöglichen.

Mit einem Stoma ist der Alltag der Betroffenen kaum eingeschränkt. Man kann weiterhin berufstätig sein, Sport machen, seine Hobbys genießen usw. Auch das Baden im Chlor- oder Salzwasser ist für Stomaträger:innen kein Problem.

Der verbleibende Darm braucht auch etwas Zeit, sich an die neue Situation anzupassen. Nach der OP ist die Ausscheidung immer dünnflüssig. Anfangs kann der Darm noch empfindlich, etwa mit Blähungen reagieren – meist normalisieren sich diese Probleme nach etwa drei bis sechs Monaten wieder. Gestalten Sie Ihre Ernährung anfangs eher ballaststoffarm und integrieren Sie leicht verdauliche Kohlenhydrate. Versuchen Sie langsam und nach einer anfänglich „leichten Vollkost“ den Darm wieder an die normale Verdauung zu gewöhnen und Ihre Ernährung wieder zu normalisieren.

Buchtipp: Power statt Tabu

Gut leben mit Beutel am Bauch – Ein Stoma-Mutmachbuch
von Rita Hofmeister
2022, maudrich, € 21,90
ISBN: 978-3-99002-126-2
Erhältlich bei Buchaktuell in 1090 Wien oder unter www.buchaktuell.at

Cover_Gut_leben_mit_Beutel_am_Bauch_maudrich

TIPP

Der Austausch mit anderen Betroffenen mit einem Stoma (z. B. Selbsthilfegruppe) ist für viele Betroffene hilfreich, sich an die neue Situation zu gewöhnen.