Endlich Urlaub! Und egal, ob man den Sommer im Süden am Strand oder lieber in den Bergen beim Wandern verbringt, neue Eindrücke in fremden Ländern sammelt, Ausland oder unbekannte Ecken daheim erkundet – eine passende Reiseapotheke sollte immer dabei sein. Damit man aber auch das mithat, was man braucht, sollten vorab einige grundsätzliche Überlegungen angestellt werden …

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Checkliste Basisausstattung Reiseapotheke

Welche Art von Urlaub wird es? Sportlicher Aktivurlaub mit Wandern, Radfahren oder Ähnlichem oder ein Strandurlaub mit viel Wasserkontakt? Wie lange dauert die Reise und wer fährt mit? Erwachsene, Kinder, Babys, Senior:innen? Wo liegt das Reiseziel? Ferne Länder oder Kontinente erfordern bestimmte Impfungen, die zeitgerecht verabreicht und derzeit noch am besten in einem international gültigen Impfpass eingetragen werden.

Wohin die Reise auch geht, wer gerüstet sein will für Notfälle aller Art, lässt sich am besten rechtzeitig in der Apotheke beraten. Abhängig von den medizinischen Verhältnissen im Urlaubsland wird die passende Reiseapotheke zusammengestellt.

Um Ihnen beim Packen zu helfen und damit nichts zu Hause vergessen wird, finden Sie hier eine Reiseapotheken-Packliste. Haken Sie einfach das ab, was schon im Koffer ist:

  • Schmerz- & Fiebermittel
  • Medikamente gegen Durchfall, Elektrolytmischungen
  • gegen Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung
  • gegen Reiseübelkeit
  • gegen Erkältung, Halsschmerzen, Husten und Schnupfen
  • gegen Sportverletzungen/Kühlkompressen
  • Antiallergika
  • Sonnenschutz- & After-Sun-Präparate
  • Anti-Gelsenmittel
  • Desinfektionsmittel, Wund- und Heilsalbe
  • Fieberthermometer
  • Erste-Hilfe-Set mit Verbandsmaterial
  • Dokumente wie Impfpass, Diabetikerausweis oder Allergiepass

Vor der Abfahrt und bei der Anreise

Eine Reise will gut geplant sein. Neben den in Österreich üblichen Impfungen sollte man vor dem Urlaub immer abklären, ob für die (Fern-)Reise spezielle Impfungen notwendig sind. Zu den Reisekrankheiten zählen z. B. Meningokokken, Gelbfieber, Diphtherie, Malaria, Typhus, Cholera, Dengue, Japan-B-Enzephalitis oder auch Tollwut.
Geimpft und gepackt kann es endlich losgehen. Reisekrankheit (Kinetose) kann die Urlaubsfreude massiv trüben. Mögliche Symptome sind Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Schweißausbrüche oder auch Kopfschmerzen. Gegen die Übelkeit gibt es Reisekaugummis und Präparate mit Ingwer, aber auch homöopathische Hilfen wie Cocculus oder Tabacum können hier vorbeugen. Bachblütenpräparate helfen bei Aufregung. Außerdem sollten Sie immer ein gut verträgliches Schmerzmittel im Gepäck haben. Rezeptfreie Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen leisten hier gute Dienste. Ibuprofen besitzt neben seiner schmerzstillenden Wirkung zusätzlich auch fiebersenkende und entzündungshemmende Eigenschaften. Während der Fahrt sollten Sie nicht lesen oder häufig nach unten sehen, sondern mit den Augen einen festen Punkt am Horizont fixieren. Sorgen Sie außerdem für ausreichend frische Luft und regelmäßige Pausen.

Langes Sitzen im Auto oder Flugzeug belastet unsere Venen und erhöht das Thromboserisiko. Allgemeine Maßnahmen wie Stützstrümpfe, viel Trinken und zwischendurch öfters aufstehen unterstützen die Durchblutung. Wer schon Probleme mit den Venen hat, sollte vor Reiseantritt die geeignete Thromboseprophylaxe mit dem Hausarzt/der Hausärztin besprechen. Bei Flugreisen leiden die Kleinsten oft unter unzureichendem Druckausgleich und klagen über Ohrenschmerzen. Trinken, Kaugummi oder Säuglinge zu stillen bzw. abschwellende Nasentropfen in geeigneter Dosierung beim Starten und Landen zu verabreichen, sind hier gute Tipps.

Wandern, Mountainbiken & Natur genießen

Auch wenn das Platzangebot im Rucksack äußerst begrenzt ist – auf ein kleines Erste-Hilfe Set sollte auch hier nicht verzichtet werden. Für Rucksack oder Fahrrad eignet sich eine „abgespeckte“ Variante in kleinerem, handlichem Format. Was und wie viel man dann tatsächlich mitnehmen möchte, kann individuell entschieden werden, jedoch wird man im Notfall äußerst froh sein, wenn das Nötigste mit dabei ist. Pflasterstrips, spezielle Blasenpflaster, ein Wunddesinfektionsmittel, ein kühlendes Sportgel sowie ein Elektrolytgetränk und/oder Magnesium für unterwegs, um Erschöpfung, Wadenkrämpfen und Muskelkater vorzubeugen, leisten gute Dienste.

Mountainbiker:innen sollten noch eine Spezialcreme gegen das gefürchtete Wundscheuern an den Oberschenkelinnenseiten mit einpacken, welche auch vorbeugend angewendet werden kann. Wer mit Kindern verreist/wandert, sollte auch an geeignete Darreichungsformen denken – Saft statt Zäpfchen, z. B. wenn es keine Kühlmöglichkeit gibt, oder Verbandsstoffe in der geeigneten Größe bzw. bunte Pflaster, die auch den großen Schmerz ein wenig schneller lindern.

Achtung bei Gebirgstouren: Die UV-Strahlung nimmt mit zunehmender Höhe zu. Starke Sonneneinstrahlung auf den Kopf kann auch zu einem Sonnenstich führen. Schützen Sie sich und Ihre Kleinen daher mit einem Hut oder einer Kappe.

Gut gecremt: Mediterrane Sonnenanbeter:innen

Wer mit kleinem Gepäck reisen möchte oder auch im Süden aktiv urlaubt, greift am besten zu kleinen, handlichen Sonnenschutzprodukten. Intensiven Schutz leisten dabei Sticks mit sehr hohem Schutzfaktor, der besonders gut empfindliche Stellen wie Nasenrücken, Lippen oder auch Fußrücken und Ohren schützt. Besonders für Radler:innen gut geeignet sind fettfreie Sonnengele, die besser haften und beim Schwitzen nicht in die Augen verlaufen. Sie eignen sich auch gut zum Auftragen auf die Kopfhaut.

  • Tragen Sie den Sonnenschutz am besten gleich morgens auf. Meiden Sie zwischen 11 und 15 Uhr die Sonne.
  • Verwenden Sie genug Sonnencreme (für eine/n Erwachsene/n etwa vier gehäuften Esslöffel für den ganzen Körper).
  • Spezielle UV-Schutzkleidung ist besonders für Kleinkinder empfehlenswert.
  • Achtung: Wasser reflektiert die UV-Strahlung und verstärkt ihre Wirkung.
  • Wer sich viel bewegt, sollte spätestens nach 2 Stunden nachcremen, was jedoch nicht die gesamte Schutzzeit verlängert!

Tipp von Ihrer Apothekerin

von Mag. pharm. Irina Schabegger-Wager
Apothekerin in Gmünd

Gesund auf Reisen

  • Dauermedikamente zeitgerecht in ausreichender Menge noch zu Hause besorgen – nicht überall auf der Welt gibt es flächendeckend und rund um die Uhr Zugang zu Apotheken bzw. sind alle Wirkstoffe verfügbar
  • Medikamente bei Flugreisen immer ins Handgepäck geben – dabei bei Tropfen und Säften die Mengenbeschränkungen und Verpackungsvorschriften beachten
  • Bei Aufenthalten in warmen Ländern auch an Kühlbehälter für Insulin denken
  • Bestätigungen wie Implantatepass, eine Unbedenklichkeitsbestätigung für Insulinspritzen oder -pumpe stets mitführen
  • „Cook it, boil it, peel it or forget it“ – Meiden Sie alles, was nicht gekocht, gebraten oder geschält ist, mit diesem Tipp kann Reisedurchfall oftmals verhindert werden.

Gelsenabwehr_ Camper:innen & Abenteuerer:innen

Während heimische Insekten meist „nur“ lästig sind, können Insekten in vielen tropischen Ländern, aber auch die Zecken bei uns ernst zu nehmende Infektionskrankheiten übertragen. Ein guter Insektenspray bietet dabei für mehrere Stunden Schutz. Insektenschutzmittel müssen stets lückenlos auf die gesamte unbedeckte Haut aufgetragen werden, jedoch ziehen Hauttyp und der individuelle Körpergeruch Insekten unterschiedlich stark an. Hitze, sportliche Betätigung und starkes Schwitzen verkürzen ebenfalls die Wirkdauer enorm. Der Geruch von Insektenmitteln ist nicht jedermanns Sache, jedoch unterliegen heimische Produkte strengen Produktionsvorschriften und gelten daher als sicher. Allergische Reaktionen sind jedoch immer möglich – auch bei Naturstoffen wie ätherischen Ölen kommen immer wieder Augen- oder Schleimhautreizungen vor – daher sollte man sie beim erstmaligen Gebrauch vorsichtig in der Armbeuge ausprobieren. Insektenarmbänder bzw. Clips mit ätherischen Ölen, die man gut am Rucksack befestigen kann, bieten eine wirkungsvolle Alternative – und wenn dann doch mal ein Stich passiert, so lindern kühlende Gele Schmerz und Schwellung gleichermaßen. Insektenschutz immer erst nach dem Sonnenschutz auftragen!