Diabetes Symbolbild - Behalten Sie Ihren Blutzucker im Auge. Nur so können Sie ernsthafte Folgeschäden vermeiden. - © Shutterstock

Die häufigsten Folgeerkrankungen von Diabetes

Die größten Einschränkungen in der Lebensqualität haben Diabetiker durch Folgeerkrankungen, die sich auch auf die Lebenserwartung auswirken. Viele von ihnen sind vermeidbar, wenn der Blutzucker optimal eingestellt ist.

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Mehr als 600.000 Menschen sind in Österreich von Diabetes mellitus betroffen. Sie alle tragen, im Vergleich zu Nichtdiabetikern, ein größeres Risiko für Durchblutungsstörungen. Diese gelten als Hauptursache für zahlreiche Folgeerkrankungen. Diabetische Durchblutungsstörungen werden in erster Linie durch einen schlecht eingestellten Blutzucker verursacht. Hinzu kommen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen.

Schon im Vorstadium des Diabetes steigt die Wahrscheinlichkeit einer Folgeerkrankung. Allgemein gilt: Die ersten zehn Jahre der Erkrankung und die Einstellung des Blutzuckers bestimmen das Risiko der Folgeerkrankungen entscheidend mit.

Herzinfarkt und Schlaganfall sind häufig

Die meisten Todesfälle unter Diabetikern sind die Folge eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Beide entstehen durch eine Verengung der großen Blutgefäße, die das Gehirn bzw. das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Bevor ein Herzinfarkt eintritt, liegt meist bereits die so genannte koronare Herzkrankheit vor, bei der die Gefäße zwar verengt, aber noch nicht vollständig blockiert sind. Das erste Anzeichen dafür ist ein dumpfer Schmerz in der Brust, der zunächst nur unter Belastung auftritt und als Angina pectoris bezeichnet wird.

Herzinfarkt, koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall kann vorgebeugt werden. Besonders wichtig ist ein gut eingestellter Blutzucker. Er reduziert das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent. Dazu kommen regelmäßige fachärztliche Kontrolluntersuchungen, bei denen die Blutfettwerte bestimmt und die Gefäße untersucht werden. So können beginnende Gefäßverengungen frühzeitig behandelt werden. Je nach Ausmaß der Durchblutungsstörung kommen dabei Medikamente, das Einsetzen eines Stents (eine kleine Gefäßstütze aus Metall) oder eine Bypass-Operation in Frage. Unterstützend wirkt außerdem ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und Verzicht aufs Rauchen.

Diabetes kann zum Erblinden führen

Jedes Jahr erblinden etwa 200 Diabetiker in Österreich. Ursache ist die diabetische Retinopathie – eine Schädigung der Netzhaut, die in den westlichen Industrieländern bis heute die Hauptursache für das Erblinden im Erwachsenenalter ist. Auch hier ist ein schlecht eingestellter Blutzucker für die Erkrankung verantwortlich. Meist müssen jedoch viele Jahre mit einer schlechten Stoffwechseleinstellung vergehen, bis es zum vollständigen Erblinden kommt.

Da die diabetische Retinopathie im Anfangsstadium symptomlos ist, wird allen Diabetikern eine jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt empfohlen. Wir eine Retinopathie rechtzeitig erkannt, kann sie oft durch eine Laserbehandlung gestoppt werden.

20 bis 40 Prozent entwickeln Nierenschäden

Die diabetische Nephropathie, eine Schädigung der Nieren, ist die Hauptursache für chronisches Nierenversagen mit Dialyse- und Transplantationsnotwendigkeit. Laut Schätzungen der Diabetes-Gesellschaft entwickeln 20 bis 40 Prozent aller Diabetiker im Laufe ihres Lebens eine Nierenschädigung.

Im Anfangsstadium kann es gelingen, die Erkrankung in ihrem Verlauf zu verzögern oder sogar ganz zu stoppen. Zwingend notwendig dafür sind eine gute Stoffwechseleinstellung und ein gesunder Lebensstil. Dazu gehört, den Blutdruck unter 130/80 mmHg zu halten, das Rauchen aufzugeben und die Eiweiß-Aufnahme zu reduzieren. Besteht zusätzlich eine Fettstoffwechselstörung, wird diese häufig medikamentös behandelt.

Die Nervenschädigung beginnt früh

Schon zum Zeitpunkt der Diagnose leiden zwölf Prozent der Typ 2-Diabetiker unter ersten Symptomen einer Nervenschädigung, der so genannten diabetischen Neuropathie. Ursache ist eine Stoffwechselstörung in den Nervenzellen, bei der Abbauprodukte nicht mehr abtransportiert werden und ein Sauerstoffmangel eintritt.

Dieser schädigt den Nerv und verursacht Symptome wie den Verlust der Tast-, Vibrations- und Temperatursensibilität, schmerzende Füße während der Nacht sowie Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen. Auch die inneren Organe können betroffen sein. Hier kommt es, abhängig vom Organsystem, zu Symptomen wie Völlegefühl, Erbrechen, Durchfall, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Impotenz.

Amputationen sind oft vermeidbar

Diabetischer Fuß (dt) - Das diabetische Fuß-Syndrom wird von vielen Diabetikern gefürchtet. - © Shutterstock/red
Das diabetische Fuß-Syndrom wird von vielen Diabetikern gefürchtet. © Shutterstock/red

Der diabetische Fuß ist eine Folgeerkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigen kann. Neben den Einschränkungen durch Geschwüre und schwer heilende Wunden, droht vielen Betroffenen die Behinderung durch eine Amputation.

In Österreich werden jedes Jahr etwa 2.500 Diabetiker aufgrund des diabetischen Fußsyndroms amputiert. Experten zufolge ließen sich 80 bis 90 Prozent der Eingriffe mit konsequenter Fußpflege verhindern. Dazu gehört das tägliche Waschen und Eincremen mit fettreichen Seifen und Cremes sowie das genaue Absuchen nach Verletzungen. Bestehende Wunden müssen desinfiziert, verbunden und einem Arzt vorgestellt werden.

Zusätzlich benötigen Diabetiker gut sitzende, nicht zu enge Schuhe, die innen weich gefüttert und eventuell mit Einlagen ausgestattet sind. In Einzelfällen kann es notwendig sein, spezielle Diabetiker-Schuhe anzupassen.

Vergessen Sie nicht auf die Zähne

Langfristig erhöhte Blutzuckerspiegel vermindern die Blutversorgung des Zahnfleischs und setzen die Speichel-Produktion herab. Das Risiko von Karies und einer Parodontose mit Knochenbeteiligung ist dadurch deutlich erhöht. Zahnärzte raten deshalb zur besonders gründlichen Mundhygiene. Neben der normalen Zahnreinigung mit Zahnpasta, Zahnseide und Mundspüllösung, sollte einmal wöchentlich ein spezielles hochdosiertes Fluorid-Gel aus der Apotheke verwendet werden. Eine zahnärztliche Kontrolle wird zweimal pro Jahr empfohlen.