In einer durchschnittlich großen Volksschulklasse sitzen statistisch gesehen mindestens zwei bettnässende Kinder. Enuresis nocturna, so der Fachbegriff, ist also keineswegs eine Randerscheinung, gilt aber nach wie vor als Tabuthema. Die Lebensqualität von Kind und Eltern kann dadurch stark belastet werden. Dabei gibt es gute medizinische Optionen.

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Einnässen gehört zu den häufigsten urologischen Störungen des Kindesalters. Nachts nässen etwa 25 Prozent der Vierjährigen und 10 bis 15 Prozent der Siebenjährigen ein. Tabuisierung verhindert oftmals eine adäquate Diagnostik und Therapie. Enuresis definiert sich als unwillkürlicher Harnabgang ab einem Alter von vier Jahren, ohne dass organische Ursachen vorliegen. Die Symptome müssen länger als drei Monate bestehen und mindestens zweimal pro Monat auftreten.

Grundsätzlich ist „trocken werden“ ein Reifungsprozess. Wie bei allen anderen Entwicklungsschritten brauchen Kinder dafür unterschiedlich lange. Kinder lernen frühestens ab dem zweiten Lebensjahr, ein Gefühl für die Blasenfüllung zu entwickeln, die vollständigen Mechanismen zur Blasenkontrolle sind frühestens Ende des vierten Lebensjahres ausgereift. Viele dreijährige Kinder sind bereits trocken, aber es können noch leicht „Unfälle“ passieren. Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr kommt es durch die Bildung entsprechender Hormone zu einer ausreichenden Konzentration des Harns in der Nacht.

Primäre Enuresis

Bei primärer Enuresis wird von einer Entwicklungsverzögerung des Kindes ausgegangen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das antidiuretische Hormon (ADH, Vasopressin). Normalerweise sorgt dieses Hormon dafür, dass nachts weniger Harn in die Blase gelangt. Diese Regulation kann gestört sein. Auch das Zusammenspiel zwischen Kontrolle der Blase und Schlaftiefe kann noch unterentwickelt sein.

Sekundäre Enuresis

Bei sekundärer Enuresis spielen psychische Ursachen die Hauptrolle. Es lassen sich oft Veränderungen oder Einschnitte im Leben des Kindes finden – die Geburt eines Geschwisterchens, der Verlust eines Familienmitgliedes, Streitigkeiten, ein Umzug etc. Die Psyche spielt aber eher als Folge von unbehandeltem Bettnässen eine Rolle. Gestörte Sozialkontakte, Ängste oder vermindertes Selbstwertgefühl sind mögliche Folgen von unbehandeltem Bettnässen. Deshalb ist rasches Handeln wichtig.

Therapie

Die Untersuchungen sind absolut schmerzfrei. Im Arzt-Patienten-Gespräch werden Häufigkeit, Menge und Zeitpunkt des Einnässens, Vorerkrankungen, Familiengeschichte etc. abgefragt. Im nächsten Schritt wird ein Blasentagebuch geführt. Dieses Tagebuch ist ein wesentlicher Bestandteil der Diagnostik. Nach einer körperlichen Untersuchung, einer Harnanalyse, um vor allem Harnwegsinfekte als Ursache auszuschließen, und einem Ultraschall der Harnblase und der Nieren steht in fast allen Fällen der Grund für das Einnässen fest.

Der erste Schritt besteht in der Aufklärung und motivierenden Beratung, u. a. um Schuldgefühle zu nehmen. Bei zu hoher nächtlicher Harnausscheidung kommt das antidiuretische Hormon (ADH) zum Einsatz, liegt es jedoch am Fassungsvermögen der Blase, finden häufig Anticholinergika Verwendung. Bei der Alarmtherapie mit Klingelhose oder -matte führt jedes nächtliche Einnässen zum Auslösen eines Alarms und zum Erwachen des Kindes. Durch Konditionierung lernen die Kinder, bei voller Blase aufzuwachen.

Tipps: Das können Sie tun!

  • Keine Scham. Jedes Kind ist anders, manchmal brauchen gewisse Entwicklungsschritte auch nur etwas länger.
  • Die Haupttrinkmenge in der ersten Tageshälfte aufnehmen.
  • Toilette vor dem Schlafengehen aufsuchen.
  • Vielen helfen bestärkende Einschlafgeschichten. Es gibt auch eigene Kinderbücher, die das sensible Thema Bettnässen einfühlsam behandeln.
  • Dem Kind positive Rückmeldungen bzw. Belohnungen für trockene Nächte geben.
  • Durch diese erwähnten Maßnahmen kann bei etwa 18 Prozent innerhalb von acht Wochen Trockenheit erzielt werden.

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