Frau und Mann liegen im Bett - © Shutterstock

Intime Infektionen im Überblick

Über sexuell übertragbare Krankheiten spricht man nicht gern. Die häufigsten Geschlechtskrankheiten von Chlaymdien bis Tripper.

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HIV bzw. AIDS ist den meisten Menschen ein Begriff. Aber wie steht es mit anderen Geschlechtskrankheiten? Wissen Sie, was Trichomonaden, Chlamydien oder Feigwarzen sind?

Betroffene trauen sich oft nicht zum Arzt zu gehen, geschweige denn darüber zu sprechen.

Während es in Österreich 2018 erstmals wieder einen signifikanten Rückgang an HIV-Infektionen zu vermelden gab, wurde 2019 leider wieder ein leichter Anstieg beobachtet. Auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten ist ein Anstieg erkennbar. Besonders Infektionen mit Syphilis, Chlamydien, Tripper und Trichomonaden nehmen weltweit zu. Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken weltweit jährlich 250 Millionen Menschen an sexuell übertragbaren Infektionen, den „Sexually Transmitted Infections“, kurz STIs.

Verursacher sind in unseren Breiten vor allem Bakterien, Viren, Pilze und Einzeller. Geschlechtskrankheiten betreffen Frauen und Männer aus allen sozialen Schichten. Gefährdet sind vor allem Menschen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben und ihre Sexualpartner häufig wechseln.

Tipps zur Vorbeugung sexuell übertragbarer Krankheiten:

  • Kondome bieten guten Schutz vor Geschlechtskrankheiten.
  • Jugendliche sollten rechtzeitig aufgeklärt werden.
  • Übertriebene Intimhygiene sollte man vermeiden.
  • Verzichten Sie bei Infektionen auf Sexualverkehr und informieren Sie Ihren Partner.
  • Eine gewissenhafte Partner-Therapie ist wichtig, um einen Ping-Pong-Effekt zu vermeiden.

Achtung:

Wichtig ist eine fachgerechte Behandlung von Geschlechtskrankheiten durch einen Arzt. Hierbei gilt: Umso früher Geschlechtskrankheiten erkannt und behandelt werden, desto geringer ist die Gefahr für Folgeerkrankungen beziehungsweise irreversible Schädigungen.

Syphilis (Lues)

Arzt Patient Gespräch - Haben Sie keine Scheu vor dem Arzt-Gespräch. Ärzte haben tagtäglich mit allerhand Krankheiten zu tun. - © Shutterstock
Haben Sie keine Scheu vor dem Arzt-Gespräch. Ärzte haben tagtäglich mit allerhand Krankheiten zu tun. © Shutterstock

Syphilis ist eine Erkrankung, die der Meldepflicht unterliegt. Die größte Ansteckungsgefahr birgt Geschlechtsverkehr, doch selbst eine Ansteckung durch Küsse ist möglich. An der Eintrittsstelle der Bakterien entsteht meist nach zwei bis drei Wochen ein kleines Knötchen, das sich mit der Zeit zu einem etwa münzgroßen, meist nicht schmerzhaften Geschwür entwickelt, das Harter Schanker genannt wird. Dieses Geschwür sondert eine hochinfektiöse Flüssigkeit ab.

In der nächsten Krankheitsphase kann es zu grippeähnlichen Symptomen und Schwellungen der Lymphknoten kommen. Nach Abheilen dieser Symptome glauben viele Betroffene, die Infektion überstanden zu haben – bei vielen ruht die Krankheit jedoch lediglich und kann noch nach Jahren zu schweren Schäden der Organe, Gefäße und des Zentralen Nervensystems führen.

Der Erreger-Nachweis erfolgt unter dem Mikroskop oder mittels Antikörpertests im Blut. Die Therapie besteht aus der Gabe von Antibiotika (zum Beispiel Penicillin) über drei Wochen hinweg. Der Partner sollte dabei mitbehandelt werden. Für Schwangere ist die Lues besonders gefährlich, weil der Erreger über den Mutterkuchen auch das Baby infizieren kann. Den sichersten Schutz vor der Erkrankung bieten Kondome.

Tripper (Gonorrhoe)

Frau Klo Magen Darm - Ein Tripper macht sich häufig durch Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Kondome reduzieren das Übertragungsrisiko, schützen aber nicht komplett. - © Shutterstock
Ein Tripper macht sich häufig durch Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Kondome reduzieren das Übertragungsrisiko, schützen aber nicht komplett. © Shutterstock

Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist die Hauptursache für eine Ansteckung mit den Tripper auslösenden Gonokokken. Dabei können die Bakterien nicht nur die Schleimhäute der Harnwege und Geschlechtsorgane befallen, auch Rachen und Enddarm sind durch Oral- bzw. Analverkehr immer wieder betroffen.

Das Tückische am Tripper: Viele bemerken zunächst keinerlei oder nur leichte Beschwerden und suchen daher erst einmal keinen Arzt auf, obwohl sie die Infektion bereits weitergeben können. Andere Betroffene bemerken infolge der Entzündung von Gebärmutterhals und Muttermund einen weiß-gelblichen Ausfluss. Ist auch die Harnröhre infiziert, können sich zudem Schmerzen beim Wasserlassen einstellen.

Wird ein Tripper nicht behandelt, können die Bakterien sich immer weiterverbreiten und andere Organe infizieren. Eine unbehandelte Gonorrhoe kann zu Unfruchtbarkeit führen. Eine ärztliche Behandlung mit Antibiotika ist daher in jedem Fall unumgänglich. Grundsätzlich ist ein Tripper aber gut behandelbar.

Ulcus molle (weicher Schanker)

Der Ulcus molle ( auch „weicher Schanker“ genannt) spielt in unseren Breiten eine untergeordnete Rolle – in Österreich (und Europa) kommt die bakterielle Erkrankung kaum vor. Sie ist zum Beispiel in Südostasien, Südamerika und Afrika verbreitet. Diese Geschlechtskrankheit tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf und wird durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen.

Zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung bildet sich ein Knötchen im Genitalbereich. Daraus entwickelt sich ein weiches, sehr schmerzhaftes Geschwür. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Ohne Behandlung kann die Erkrankung voranschreiten und zu Komplikationen führen. Außerdem besteht das Risiko, weitere Sexualpartner damit anzustecken.

Chlamydien

Frauenarzt Gynäkologe - Ein Frauenarzt kann über einen Abstrich oder Urintest feststellen, ob Sie sich mit Chlamydien angesteckt haben. - © Shutterstock
Ein Frauenarzt kann über einen Abstrich oder Urintest feststellen, ob Sie sich mit Chlamydien angesteckt haben. © Shutterstock

Infektionen mit Chlamydien gehören europaweit zu den häufigsten STIs. Auch bei einer Infektion mit Chlamydien merken viele Betroffene ihre Erkrankung nicht. In den übrigen Fällen kann es etwa zu einem Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen oder ungewöhnlichem Ausfluss kommen.

Die Infektion muss unbedingt behandelt werden, da die Bakterien sonst den Eileiter hinaufwandern und ihn verkleben, eine Eileiterentzündung auslösen und damit möglicherweise zu Sterilität führen können. Eine Chlamydien-Infektion lässt sich vor allem im Anfangsstadium sehr gut mit Antibiotika behandeln und ist heilbar.

Trichomonaden

Diese Einzeller werden durch sexuellen Kontakt übertragen. Häufig treten sie gleichzeitig mit einer Pilzinfektion auf. Auffällig bei der Trichomoniasis sind der grünlich-schaumige Ausfluss, die brennenden Schmerzen und der gleichzeitige Juckreiz in der Genitalregion. Der unangenehme Geruch ist meist durch Begleitinfekte mit Bakterien verursacht. Die Therapie besteht aus der einmaligen Gabe eines Antibiotikums.

HIV und AIDS

HIV AIDS - Kondome bieten einen guten Schutz vor einer HIV-Übertragung. - © Shutterstock
Kondome bieten einen guten Schutz vor einer HIV-Übertragung. © Shutterstock

Die Infektion mit dem HI-Virus erfolgt durch Geschlechtsverkehr, Blutübertragungen oder infizierte Nadeln. Zudem kann das Virus in der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Die anfänglichen Symptome sind uncharakteristisch, ähnlich jenen eines grippalen Infekts. Das HI-Virus befällt T-Helferzellen und hier insbesondere die so genannten CD4-Zellen. Je weniger funktionstüchtige CD4-Zellen sich im Blut finden, desto schwerer ist das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen.

Phase 1: akute HIV-Krankheit und Latenzphase

Phase 2: symptomatische Phase

Phase 3: AIDS

HIV ist nicht heilbar. Dank moderner Medikamente können HIV-infizierte Patienten jedoch meist ein normales Lebensalter erreichen. Unabdingbar für den Behandlungserfolg ist allerdings, dass die Betroffenen ihre Medikamente konsequent und nach Vorgabe einnehmen, und zwar ein Leben lang. Mehr zum Thema HIV bzw. AIDS lesen Sie in diesem Beitrag.

Herpes genitalis

Das Herpes-simplex-Virus Typ 2 verursacht Genitalherpes und kann durch Oralverkehr auch auf den Mund übertragen werden. Leichtes Fieber und Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellungen, kleinere Bläschen an den Genitalien und Vaginalausfluss sind häufige Symptome.

Nicht jeder, der sich mit Herpes-Viren infiziert hat, bemerkt auch Symptome. In vielen Fällen bilden sich allerdings nach drei bis zehn Tagen stark juckende, brennende Bläschen im Initimbereich aus, die mit einer ansteckenden Flüssigkeit gefüllt sind.

Kondome bieten einen guten, aber nicht vollständigen Schutz vor einer Ansteckung, da auch umliegende Hautareale betroffen sein können. In der Akutphase sollten Sexualkontakte gemieden werden.

Genitalherpes ist nicht heilbar und kann immer wieder ausbrechen. Mit einer Therapie kann man die Herpesbläschen aber eindämmen und die Beschwerden mildern. Es gibt spezielle Salben und Medikamente, die die Vermehrung der Viren hemmen und das Abheilen fördern. Je früher man mit der Behandlung beginnt, desto besser. Mehr zum Thema Herpes lesen Sie in diesem Beitrag.

HPV und Feigwarzen

Impfen - Es gibt eine Impfung, mit der das Risiko für Genitalwarzen und Gebärmutterhalskrebs durch HPV-Viren stark gesenkt werden kann. - © Shutterstock
Es gibt eine Impfung, mit der das Risiko für Genitalwarzen und Gebärmutterhalskrebs durch HPV-Viren stark gesenkt werden kann. © Shutterstock

Feigwarzen zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen. Sie entstehen aufgrund einer Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV), wachsen meist in Vorhaut, Scheide oder an den Schamlippen und können beim Liebesakt Schmerzen verursachen. Sie sind von rötlicher, grau-bräunlicher oder weißlicher Farbe. In ihrer Größe variieren sie meist zwischen stecknadelkopfgroßen Warzen und mehreren Zentimeter großen, flächigen Wucherungen. Voraussetzung für die Entstehung von Feigwarzen sind oberflächliche Verletzungen der Haut, wie sie auch beim Geschlechtsverkehr auftreten können. Bereits bestehende Hauterkrankungen und Immunabwehr-Störungen erhöhen das Ansteckungsrisiko. Frauen mit Feigwarzen sollten sich regelmäßig gynäkologischen Untersuchungen und Pap-Tests unterziehen.

Humane Papillomaviren sind die häufigste Ursache für Gebärmutterhalskrebs. Sie können zudem eine Reihe weiterer Krebsarten begünstigen, die auch eine Gefahr für Männer darstellen. Eine frühe Immunisierung beider Geschlechter bietet den besten Schutz: Seit 2016 ist ein 9-fach-Impfstoff gegen HPV im kostenlosen Kinder-Impfprogramm enthalten und wird im Alter von neun bis zwölf Jahren geimpft. Bis zum vollendeten 15. Lebensjahr ist die HPV-Impfung zu einem vergünstigen Selbstkostenpreis erhältlich. Mehr zum Thema HPV sowie Genitalwarzen lesen Sie in diesem Beitrag.