Blasenentzündung Harnwege - Falls sich die Anfangssymptome nicht binnen drei Tagen bessern, ist ein Arztbesuch von Nöten. - © Shutterstock

Was bei einer Blasenentzündung hilft

Es sind vor allem Frauen, die oftmals unter einem akuten Harnwegsinfekt leiden. Hier erfahren Sie, was Sie selbst dagegen tun können.

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Da Harnwegsinfekte vor allem dann, wenn sie immer wieder auftreten, keinesfalls bagatellisiert werden dürfen, wird im Beratungsgespräch mit dem Apotheker vor der Auswahl geeigneter Arzneimittel bzw. Informationen über vorbeugende Verhaltensmaßnahmen immer zuerst abgeklärt, ob und inwieweit eine Selbstmedikation vertretbar ist oder an den Haus- oder Facharzt überwiesen werden muss.

Von einfach bis schwer…

Einfache Infektionen der unteren Harnwege verursachen die so genannte unkomplizierte akute Blasenentzündung mit brennenden Schmerzen beim Urinieren und häufigem Harndrang mit geringen Harnmengen. Dieser kann getrübt oder auch verfärbt sein und riecht meist eher unangenehm.

Da derartige Infektionen bei gesunden Frauen meist einen leichten Verlauf ohne Fieber und mit gutem Allgemeinzustand einhergehen, kann hier eine kurz dauernde Selbstmedikation empfohlen werden.

Treten jedoch Fieber, allgemeines Zerschlagenheitsgefühl sowie starke und/oder aufsteigende Schmerzen auf bzw. bessern sich die Anfangssymptome innerhalb von drei Tagen nicht oder werden schlechter, so ist ein Arztbesuch von Nöten.

Kinder, Männer sowie Personen mit Nierenerkrankungen, wiederkehrenden Infekten oder einem geschwächten Immunsystem gehören beim ersten Auftreten von Symptomen ebenso in die Hand eines erfahrenen Arztes wie Patienten mit Pyelonephritis, einer Nierenbeckenentzündung. Diese geht mit typischen Flankenschmerzen im Bereich der Nieren sowie Fieber und Blut im Urin einher.

Asymptomatische Bakteriurie

Eine Blasenentzündung ohne Symptome, auch asymptomatische Bakteriurie genannt, betrifft vor allem Frauen unter 50. Meist wird sie durch Zufall im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. 30 bis 50 Prozent derartiger Entzündungen heilen innerhalb einer Woche spontan ab, also auch ohne therapeutische Maßnahmen. Bei Schwangeren jedoch wird vorsichthalber auch eine Bakteriurie ohne Symptome mit Antibiotika behandelt, um dem Risiko einer Fehlgeburt oder Nierenbeckenentzündung vorzubeugen.

Wer ist schuld?

Fremde Bakterien, die von außen eindringen, stören das Gleichgewicht im normalerweise keimfreien Harn und führen zu mehr oder weniger Komplikationen. Bei Frauen ist es aufgrund des offenen Zuganges zum Harnleiter meist die falsche Toilettenhygiene, welche es Darmbakterien ermöglicht, in die kurze Harnröhre zu gelangen. Ebenso können Hygienefehler beim Anlegen eines Blasenkatheters sowie Diabetes oder Blasenkrebs zu einem Ansteigen der Bakterien im Urin führen.

Welche Therapie macht Sinn?

Ob und wie rasch ein ärztlich verordnetes Antibiotikum zum Einsatz gelangen soll, darüber gibt es derzeit in den medizinischen Fachkreisen unterschiedliche Meinungen. Ein zukünftiger Therapieweg könnte sein, mit der Antibiotikagabe eher abzuwarten − bei gleichzeitiger engmaschiger Urinkontrolle durch häufigere Untersuchungen. Damit bekommt die anfängliche Selbstmedikation einen wichtigeren Stellenwert.

Schmerzmittel aus der Apotheke

Zur Bekämpfung der Schmerzen eignen sich Ibuprofen und Paracetamol, entweder alleine oder in Kombination mit krampflösenden Dragees oder Zäpfchen, welche rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Auch Kirschkernkissen oder eine Wärmeflasche bringen Linderung.

Gut durchspülen

Tee - © Shutterstock
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In jedem Fall ist es empfehlenswert, die Trinkmenge zu erhöhen, um die Bakterien auszuschwemmen, am besten mit stillem Mineralwasser oder Heiltees aus der Apotheke.

Zahlreiche Heilpflanzen wirken harntreibend, antibakteriell, entzündungshemmend und schmerzlindernd wie zum Beispiel die Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter, Goldrutenkraut, Birkenblätter, Löwenzahnwurzel, Brennnesselblätter und -kraut oder Ackerschachtelhalm. Je nach Beschwerden oder Vorlieben können derartige Mischungen in der Apotheke bereits fertig gekauft oder individuell zusammengestellt und gemischt werden.

Nicht angewendet werden dürfen derartige Zubereitungen in der Schwangerschaft und Stillperiode aufgrund fehlender Daten. Auch Personen mit Herz- oder Nierenerkrankungen, die nur begrenzte Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen dürfen, sind von der Verwendung ausgenommen bzw. sollten Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten.

Um eine ausreichende Urinmenge (1,5 Liter) produzieren zu können, müssen mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden, da der Rest über die Haut durch Verdunstung ausgeschieden wird. Dabei sollte sich die Trinkmenge je nach Arzneipflanze aus maximal drei bis fünf Tassen Heiltee und Wasser zusammensetzen. Eine derartige Durchspülungstherapie kann bis zu vier Wochen angewendet werden und macht auch zusätzlich zu einer Antibiotikagabe Sinn.

Rohe Karotten, Ananas, Petersilie und Melonen wirken ebenfalls harntreibend und sollten daher in die tägliche Ernährung eingebaut werden.

Den Harn desinfizieren

Bärentraubenblätter, Kapuzinerkressenkraut sowie Krenwurzel bekämpfen wirksam die Erreger einer unkomplizierten akuten Blasenentzündung.

Ebenso zeigen Tausengüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblätter antibakterielle und entzündungshemmende Wirkungen. Fertigpräparate in Form von pflanzlichen Dragees sorgen für eine ausreichend hohe und gleichbleibende Dosierung der wirksamen Inhaltsstoffe und schaffen rasch Abhilfe. Sie stehen für Erwachsene und Kinder ab dem sechsten Lebensjahr (bzw. ab dem zwölften Lebensjahr für Bärentraubenblätter) zur Verfügung.

Und wer lieber Tee trinkt, erfährt in der Apotheke alles Wissenswertes über die richtige Zubereitung und Dauer der Anwendung dieser Arzneipflanzen.

Nicht schon wieder…

Harnwegsinfekte kommen leider gerne wieder. Eine richtige Intimpflege, vermehrtes Trinken und ein Warmhalten des Unterleibes lassen die Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen Infektes sinken. Krenwurzel und Kapuzinerkresse eignen sich ebenso zur Vorbeugung wie das kurmäßige Trinken von harntreibenden Teedrogen.

Auch neue Kombinationen der hinlänglich bekannten Cranberry mit weiteren immunstärkenden und antioxidativ wirkenden Inhaltsstoffen können vor einer neuerlichen Infektion schützen.