Gicht - Wenn es zu einem Überangebot an Harnsäure im Blut kommt, lagert sich diese in Form scharfkantiger Kristalle im Gewebe und in den Gelenken ab. Meist ist das Grundgelenk des großen Zehs betroffen, manchmal auch das Kniegelenk oder die Fingergelenke. - © Shutterstock

Was hilft bei Gicht?

Risikofaktoren, Ablauf der Therapie und Tipps zur Selbsthilfe.

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Heute ist die als „Zipperlein“ bezeichnete Krankheit in den westlichen Industrienationen weit verbreitet. Ausgangspunkt ist ein hoher Harnsäurespiegel. Harnsäure ist in unserem Stoffwechselgeschehen eigentlich ganz normal: Sie ist ein Abbauprodukt von bestimmten Eiweißstoffen, den so genannten Purinen. Der Körper produziert täglich etwa 360 mg Harnsäure, zusätzlich führen wir durch purinreiche Nahrungsmittel noch mehr Harnsäure zu.

Ist das Gleichgewicht zwischen der Produktion bzw. Zufuhr von Harnsäure und deren Ausscheidung nicht mehr gegeben, kommt es zu einem Überangebot an Harnsäure im Blut. Sie lagert sich in Form scharfkantiger Kristalle im Gewebe und in bestimmten Gelenken ab.

► Bei der primären Gicht ist die Ursache eine genetisch verminderte Harnsäureausscheidung. Hier ist ein Gichtanfall meist auf einen Ernährungsfehler zurückzuführen (zum Beispiel rund um Weihnachten).

► Bei der sekundären Form der Gicht ist die Krankheit nicht angeboren, sondern wird durch andere Erkrankungen oder Störungen verursacht.

► Ein Gichtanfall macht sich mit massiven Schmerzen mit Rötung, Schwellung und Überwärmung bemerkbar. Zudem ist das Gelenk äußerst berührungsempfindlich.

► In 75 Prozent aller Fälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen, manchmal auch Kniegelenk, Fingergelenke etc.

► Wird die Erkrankung nicht entsprechend behandelt und die Lebensweise angepasst, können chronische Schmerzen die Folge sein.

Wegbereiter für ­den Gichtanfall

Einige Risikofaktoren sind „hausgemacht“ – nicht selten treten die Beschwerden nach einem üppigen Mahl und reichlich Alkoholkonsum auf, – andere kann man leider nicht beeinflussen:

  • Ernährung: Rotes Fleisch wie Rind, Schwein, Lamm und Innereien, aber auch Meeresfrüchte, Alkohol, Fertigsuppen und -soßen, Rindsuppenwürfel und Fruchtzucker können den Harnsäurespiegel und damit das Gichtrisiko erhöhen.
  • Übergewicht
  • Vererbung
  • Alter: Die Gefahr für Gicht steigt im Laufe des Lebens an.
  • Geschlecht: Männer sind 20-mal häufiger betroffen als Frauen.

Was hilft?

Nach der Schilderung und Lokalisation der Schmerzen wird meist eine Laboruntersuchung angeordnet. Dabei wird vor allem auf den Harnsäurespiegel, Leukozyten und CRP (C-reaktives Protein) geachtet. Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall können zur Abklärung herangezogen werden.

Die Therapie eines akuten Gichtanfalls besteht immer aus einer Kombination von Medikamenten und Lebensstilmaßnahmen. Behandelt wird meist mit abschwellenden, entzündungshemmenden NSARs (nicht-steroidale Antirheumatika), kombiniert mit einem Magenschutzpräparat. Bei entsprechender „Mitarbeit“ des Patienten lässt sich Gicht heute gut in den Griff bekommen.

Wichtig ist, dass das betroffene Gelenk hochgelagert und geschont wird. Außerdem: viel trinken (zwei bis drei Liter am Tag). Durch die Flüssigkeit kann die kristallisierte Harnsäure aufgelöst werden.

Bei Übergewicht ist eine langsame (!) Gewichtsreduktion ratsam – keine Radikalkuren.

Bewegen Sie sich zwei- bis dreimal die Woche und achten Sie auf Ihre Ernährung. Bei chronischer Gicht können zusätzlich harnsäuresenkende Medikamente (Xanthinoxidasehemmer) eingesetzt werden.

Was darf ich essen?

Empfehlenswert sind ein bis zweimal die Woche Fisch, Gemüse jeder Art, fettarme Milch(-produkte) und Vitamin C. Letzteres fördert die Harnsäureausscheidung. Auch der Genuss von Kaffee kann den Harnsäurespiegel senken.

Gicht-Therapie auf einen Blick:

  1. entzündungshemmende Schmerztherapie
  2. Lebensstilmaßnahmen
  3. eventuell harnsäuresenkende Medikamente