Erste Hilfe bei Fieberblasen: Wie aus dem Nichts taucht ein Bläschen nach dem anderen auf. Jetzt heißt es schnell handeln, um dem Virus Einhalt zu gebieten.

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Die Rede ist von Lippenherpes, einer Virusinfektion, die durch Herpes-simplex-Viren verursacht wird. Bei dieser weitverbreiteten Erkrankung treten rund um den Mund wunde Stellen mit Bläschen (sog. Fieberblasen) auf. Diese kündigen sich meist mit Schmerzen, Spannungsgefühl oder Brennen an. Fieberblasen sind bei ansonsten gesunden Menschen harmlos, stellen für die Betroffenen aber ein ästhetisches Problem dar. Bis sie abheilen, dauert es ein bis zwei Wochen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser. Das lindert die Beschwerden und verkürzt die Erkrankungsdauer.

Wurzel des Übels

Der Grund, wieso Fieberblasen so häufig sind, liegt an den auslösenden Herpes-Viren. Viele Menschen stecken sich bereits im Kindesalter damit an. Untersuchungen haben gezeigt, dass 80–90 % aller zweijährigen Kinder infiziert sind. Die Viren werden durch direkten Mensch-zu-Mensch-Kontakt übertragen. Sind sie einmal im Körper, gelangen sie über kleinere Nervenfasern ins Ganglion trigeminale, einen Nervenknoten innerhalb der Schädelhöhle, wo sie zeitlebens verbleiben. Stress, zu viel Sonne, Hormonschwankungen oder ein geschwächtes Immunsystem können die Viren reaktivieren. Daraufhin wandern sie erneut in Richtung Mundhöhle und Lippen, wo sie eine lokale Infektion auslösen. Damit einhergehende Bläschen brechen später auf, verkrusten und heilen schließlich wieder ab. Bislang ist es noch nicht gelungen, Herpes-Viren dauerhaft aus dem Körper zu entfernen.

Vorbeugend aktiv werden

Fieberblasen entstehen vor allem dann, wenn unser Immunsystem geschwächt ist. Deshalb ist es besonders wichtig, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel frischen und wenig verarbeiteten Nahrungsmitteln zu achten. Dafür kommen Gemüse (vor allem Lauch- und Kohlarten), Früchte sowie hochwertige kaltgepresste Öle infrage. Mikronährstoffe wie Vitamin A, C, D, Zink und Selen sind bekannt für ihre immunstimulierenden Eigenschaften und können bei Bedarf zusätzlich ergänzt werden.
Doch Vorsicht! Bestimmte Nahrungsmittel scheinen Fieberblasen zu begünstigen. Dazu gehören etwa Schokolade, Rosinen und Nüsse (Merkwort: „Milka-Traube-Nuss“). Das liegt an deren hohen Arginin-Gehalt. Herpes-Viren benötigen Arginin zur Vermehrung. Wird ihnen dieser „Treibstoff“ entzogen, lassen sich Reinfektionen abmildern und eventuell sogar ganz vermeiden. Umgekehrt ist es hilfreich, wenn man Nahrungsmittel mit einem hohen Lysin-Gehalt verzehrt. Lysin ist ein natürlicher Gegenspieler von Arginin, da beide Aminosäuren über denselben Mechanismus aufgenommen werden. Mehr Lysin bedeutet also weniger Arginin, weil beide um die Aufnahme ins Blut konkurrieren. Vervollständigt wird die Fieberblasenvorsorge durch eine ganzjährige Lippenpflege mit Lichtschutzfaktor.

Der frühe Vogel fängt das Virus

Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das bekannte Kribbeln und Brennen einsetzt, heißt es schnell handeln. Im Frühstadium eignen sich am besten Cremen mit Melissenblätter-Extrakt, Heparin oder Docosanol. Sie verhindern, dass Viren in die Wirtszelle eindringen und sich ausbreiten. Als weitere Option sind virenhemmende Salben verfügbar. Diese enthalten als Wirkstoffe Aciclovir und Penciclovir, die den Vermehrungszyklus der Viren auf molekularer Ebene unterbrechen. Das neuere Penciclovir scheint aufgrund seiner chemischen Struktur besser in die Zellen eindringen zu können und erreicht dort eine höhere Konzentration. Sämtliche Salben werden so oft wie möglich, am besten 5x täglich aufgetragen.

Salben mit Zinkoxid oder -sulfat fördern das Austrocknen der Bläschen und beschleunigen die Wundheilung. Um weißen Rückstanden auf den Lippen vorzubeugen, bietet es sich an, Zinkoxid-haltige Salben abends aufzutragen. Wenn Sie zu den Betroffenen mit druckempfindlichen Lippen zählen, sind Salben mit Lokalanästhetika einen Versuch wert, welche die schmerzende Stelle vorübergehend betäuben. Die Lokalbehandlung mit Salben und Cremen gilt auch in der Schwangerschaft und Stillzeit als undenklich.

Hygieneregeln

  • Direkten Kontakt mit den Bläschen vermeiden
  • Für das Auftragen der Salbe ein sauberes Wattestäbchen verwenden
  • Regelmäßig Händewaschen
  • Handtücher nur einmal benutzen und nicht teilen
  • Nur aus dem eigenen Glas trinken
  • Nicht küssen
  • Handtücher, Gläser, Geschirr und Besteck bei mindestens 60 Grad waschen

Gut geklebt ist halb gewonnen

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Ergänzend bieten Apotheken Lippen-Herpes-Patches zum Aufkleben an. Die Hydrokolloid-Auflagen nehmen Wundexsudat auf und bilden beim Kontakt mit Flüssigkeit (aufbrechende Bläschen) ein Gel. Sobald das Pflaster keine weitere Flüssigkeit mehr aufnehmen kann, beginnt es sich von selbst zu lösen. Dann ist ein Pflasterwechsel notwendig. Lippen-Herpes-Patches lindern Spannungsgefühle und wirken als natürliche Barriere. Auf die Vermehrung der Viren haben sie aber keinen Einfluss.