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Die Bedürfnisse sensibler Haut

Menschen mit empfindlicher Haut sammeln bei der Verwendung von Pflegeprodukten häufig schlechte Erfahrungen. Umso wichtiger sind sichere, qualitativ hochwertige Produkte und eine kompetente Beratung.

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Immer mehr Menschen geben an, eine empfindliche Haut zu haben, aber was ist das eigentlich und welche Pflege braucht es für diesen Hauttyp?

Anders als bei bekannten Hauterkrankungen fehlt immer noch eine klare Definition des Phänomens „empfindliche Haut“. Bislang ist auch nicht geklärt, ob der Begriff sensibel oder empfindlich nur für sichtbare Hautveränderungen mit Stechen, Brennen und Spannungsgefühl verwendet werden sollte. Viel häufiger sind spürbare, aber unsichtbare Symptome.

Eine wissenschaftliche Definition des Phänomens ist schon deshalb schwierig, da kaum messbare Kriterien zur Objektivierung zur Verfügung stehen.

Allerdings ist der Zustand des Hydrolipidfilms und der epidermalen Barriere für die Empfindlichkeit der Haut von so großer Bedeutung, dass die Messung des TEWL (transepidermalen Wasserverlustes) eine objektive Aussage über den Zustand der Barrierefunktion zulässt.

Ein erhöhter TEWL-Wert weist bereits bevor sichtbare Hautveränderungen auftreten auf eine Barriereschädigung hin. Diese Schäden ermöglichen das Eindringen unerwünschter Substanzen, die zu Irritationen führen können.

Pflege-Tipps:

  • Belastende Reizstoffe werden am besten mit einer gründlichen und besonders schonenden Reinigung von der Haut entfernt. Hierbei sollte auf kalkhaltiges Leitungswasser, austrocknende Waschsubstanzen und alkoholhaltige Gesichtswässer verzichtet werden.
  • Verwenden Sie Peelings nur in der Ruhephase. Greifen Sie außerdem nur zu Produkten, die umhüllte Mikropartikel enthalten.
  • Im Winter mildert ein Kälteschutz die Auswirkungen der Temperaturschwankungen. Wenn Sie sich in der Sonne aufhalten, sollten Sie Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden. Dermokosmetisches Make-up schirmt als ergänzender Hautschutz zusätzlich ab.
  • Für die Zusammensetzung der Pflege-Mittel gilt: „So wenig Wirkstoff wie möglich und so viel wie nötig.“

Der neurosensitive Hautzustand: Ständige Alarmsituation

Ein „neurosensitiver Hautzustand“ zeichnet sich durch zwei Dinge aus: Die Toleranzschwelle ist niedriger und die Nervenreaktion ist höher.

Bei normaler Haut beantwortet der Organismus Reize mit einer entsprechend angepassten Reaktion. Auch hier können UV-Exposition, häufige Kontakte mit Wasser, Alkalien oder Lösungsmitteln sowie ungeeignete Hautpflege zu einer erhöhten Hautempfindlichkeit führen.

Bei empfindlicher Haut wird ein schwacher Reiz aber stärker wahrgenommen und stärker beantwortet. Durch diese ständige Alarmsituation sinkt die Reaktionsschwelle der Haut stetig. Sie reagiert also zunehmend häufiger und stärker.

Empfindlich oder allergisch?

Im Unterschied zur allergischen Hautreaktion werden keine Antikörper gebildet. Allerdings kann die wachsende Reaktionsbereitschaft eine Vorstufe zur Allergie darstellen. Sehr häufig befindet sich die empfindliche Haut deshalb in einem Teufelskreis: Reizauslösende Stoffe dringen durch die gestörte Hautbarriere und lösen Entzündungs- und Immunreaktionen aus. Die folgende Freisetzung von freien Radikalen und bakteriellen Zerfallsprodukten führen erneut zu Zellschädigungen. Dies bewirkt eine weitere Verschlechterung der Hautbarriere.

Viele Einflüsse spielen eine Rolle

Aktuell geht man davon aus, dass neben einer genetischen Disposition auch der persönliche Lebensstil, also die Pflegegewohnheiten, der Konsum von Tabak und Alkohol, der Umgang mit Lichtexposition (langjährige Sonnenbelastung wirkt sich schlecht auf die Hautbarrierefunktion aus), Stress und Übermüdung eine empfindliche Haut negativ beeinflussen können. Auch Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz rufen häufig eine verstärkte Empfindlichkeit der Haut hervor.

Typische Symptome

Empfindliche Haut neigt zu Trockenheit und reagiert mit Rötungen, Ekzembildung, Brennen, Juckreiz, Spannungsgefühl und Irritationen. Sie altert im Schnitt fünf Jahre früher, da die schwächere Hautbarriere, die Trockenheit und die höhere Stress- und Lichtempfindlichkeit den Alterungsprozess begünstigen. Außerdem treten häufig Unverträglichkeiten auf, ohne dass eine Allergie vorliegt. Das macht ihre Pflege besonders schwierig.

Sensible Typen

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Die Wiederherstellung der gesunden Hautbarriere und das Vermeiden von unnötigem Stress sind die vorrangigen Ziele der Pflege. Zunächst gilt es deshalb, durch gezielte Analyse mögliche Ursachen zu ermitteln: Handelt es sich um anlagebedingte Faktoren wie eine atopische Disposition, die sich durch Ekzeme bemerkbar macht, oder umweltbedingte Faktoren wie Hitze, Kälte, Wind, Sonne, plötzliche Temperaturschwankungen oder Umweltverschmutzung?

Oder bestand Kontakt zu Pflegeprodukten mit spezifischen Inhaltsstoffen, Hautkontakt mit sehr hartem Wasser oder Stoffen mit irritativem Potenzial? Führte der Verzehr von scharf gewürzten Speisen oder Alkoholkonsum zu Prickeln, Brennen, Rötungen oder Hitzegefühl? Dann gilt es, auf diese unterschiedlichen Empfindlichkeitsreaktionen gezielt einzugehen – am besten mit Hilfe Ihres Apothekers.

Hilfe aus der Apotheke

Wenn Sie unangenehme Erfahrungen mit ungeeigneten Präparaten machen, fragen Sie Ihren Apotheker. Mit eingehender Beratung und wirklich sicheren Produkten kann er helfen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Meist wird dort eine differenzierte Hautanalyse durchgeführt. Sie stellt die Basis für das geeignete, individuelle Pflege-Konzept dar, das über einige Zeit konsequent eingehalten werden sollte. Sinnvoll ist, eine Probe des empfohlenen Produktes zunächst mehrere Tage in der Armbeuge und erst bei erwiesener Verträglichkeit im Gesicht zu verwenden.

Dünne Haut braucht Schutz

Anatomisch strukturdünne Haut ist an einer feineren, dünneren und damit transparenteren Hautstruktur erkennbar. Diese Haut neigt zu Spannungsgefühlen und Rötungen – oft in Verbindung mit erweiterten Äderchen. Meist ist sie fett- und feuchtigkeitsarm oder trocken.

Sie reagiert schnell, aber nicht übermäßig, auf äußere Reize wie Wind, Kälte oder Sonne und sollte gut geschützt und besonders sanft gereinigt werden. Ein reichhaltiges Pflegeprodukt und ein Wirksystem, das Gefäßwand stärkende und Rötungen mindernde Substanzen enthält, hilft hier.

Zusätzlicher Schutz durch Sonnenschutzprodukte mit hohem Lichtschutzfaktor und dermokosmetisches Make-up sind zu empfehlen.

Reizbare Haut braucht Beruhigung

Leicht reizbare, irritierte und sensible Haut reagiert übermäßig auf äußere und innere Einflüsse mit Rötungen, Brennen und Schüppchen. Häufig wurde bereits ein Allergietest durchgeführt, der aber keine relevanten Allergene nachwies. In diesem Fall sind Wirksysteme mit möglichst wenigen, besonders hautverträglichen und stark beruhigenden Inhaltstoffen sowie der Verzicht auf Pflegeexperimente zu empfehlen.

So lindern Sie gereizte Haut

Thermalwasser Spray Kosmetik - Thermalwasser beruhigt die Haut. - © Shutterstock
Thermalwasser beruhigt die Haut. © Shutterstock

Akut gereizte Haut zeigt Symptome wie sichtbare Rötungen, Schwellungen, Schüppchen, Juckreiz und Brennen. Solange dieser Zustand besteht, sollte auf die gewohnten Pflegeprodukte verzichtet werden. Im akuten Reizzustand kann zunächst mit Thermalwasser, das in kurzen Abständen aufgesprüht und sanft abgetupft wird, eine schnelle Beruhigung herbeigeführt werden.

Bei Schmerz und Juckreiz sind auch Präparate mit Polydocanol zu empfehlen. Sobald eine spürbare Linderung einsetzt, kann die Haut mit einem reizmildernden Reinigungspräparat, das ohne Leitungswasser angewendet werden sollte, zweimal täglich gründlich und sanft von Reizstoffen befreit werden. Die Anwendung von Thermalwasser wird fortgesetzt. Hinzu kommt ein geeignetes Pflegeprodukt.

Sobald die Reizung abgeklungen ist, kann das Pflegeritual Schritt für Schritt erweitert werden. Um die Reaktion der Haut auf die einzelnen Produkte beobachten zu können, empfiehlt es sich, schrittweise ein Produkt nach dem anderen zu ergänzen.