Grapefruit_Ernährung - Die Grapefruit schmeckt nicht jedem. Aufgrund ihrer Bitterstoffe ist sie aber sehr gesund. - © Shutterstock

Das können pflanzliche Bitterstoffe

Ihre bekannteste Wirkung ist die auf unsere Verdauung. Bittermittel helfen u.a. bei Appetitlosigkeit, Verstopfung, Völlegefühl und Blähungen.

Artikel drucken

Mit pflanzlichen Bittermitteln sind Arzneidrogen bzw. deren Zubereitungen mit einem mehr oder weniger deutlich wahrnehmbaren Bittergeschmack gemeint. Den bitteren Geschmack der jeweiligen Heilpflanzen kann man mit pflanzlichen Präparaten aus der Apotheke umgehen – und trotzdem von deren positiven Effekten profitieren.

Die enthaltenen Bitterstoffe sind wichtige sekundäre Pflanzenstoffe. Sie kommen in vielen Pflanzen vor und nehmen in der Naturheilkunde seit Jahrtausenden einen festen Platz ein. Schon Pfarrer Kneipp hielt viel von den „bitteren Gesellen“ und empfahl: „Wer ein Gärtlein hat, soll darin Salbei, Wermut und Enzian pflanzen“ - drei Pflanzen, die sehr reich an Bitterstoffen sind.

Der Gelbe Enzian und der Wermut zählen sogar zu den bitterstoffhaltigsten Pflanzen der Welt. Ein Beispiel: Ein Gramm Enzianwurzel verleiht 58.000 Litern Wasser einen bitteren Geschmack.

Wir nehmen immer weniger Bitterstoffe zu uns

Rucola_Ernährung_Heilpflanzen - Rucola enthält viele Bitterstoffe und ist noch dazu kalorienarm. - © Shutterstock
Rucola enthält viele Bitterstoffe und ist noch dazu kalorienarm. © Shutterstock

Die aus den Pflanzen gewonnenen Bittermittel – auch „Amara“ genannt – werden sowohl in der ayurvedichen und chinesischen als auch in der traditionellen europäischen Medizin eingesetzt. Viele pflanzliche Fertigpräparate enthalten Bitterstoffe.

Leider sind aus der modernen Küche von heute die natürlichen Bitterstoffe weitgehend verschwunden. Der Bitterstoffgehalt von Gemüse oder Salaten wurde mittels Züchtung reduziert, nur in der mediterranen Küche können sich diese gesunden und wertvollen Helfer aus der Natur dank der Verwendung von Olivenöl, Artischocken oder Rucola noch gut behaupten.

In diesen Pflanzen stecken viele Bitterstoffe:

Zum Beispiel Wermut, Enzian, Salbei, Tausendgüldenkraut, Wegwarte, Löwenzahn, Bitterorange, Hopfen, aber auch Rucola, Grapefruit und Artischocken enthalten viele Bitterstoffe.

Bitterstoffe haben vielfältige Wirkungen

Artischocke_Ernährung - Frische Artischocken sind leuchtend grün oder violett. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Blätter eng anliegen und keine braunen Flecken haben. - © Shutterstock
Frische Artischocken sind leuchtend grün oder violett. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Blätter eng anliegen und keine braunen Flecken haben. © Shutterstock
  • Die bekannteste Wirkung der Bitterstoffe ist sicherlich die auf unsere Verdauung. Sie sorgen für eine rasch einsetzende Verdauung und damit auch für ein schneller einsetzendes Sättigungsgefühl. Das funktioniert, indem die Bitterstoffe eine vermehrte Freisetzung der Magensäure sowie eine stärkere Durchblutung der Magenschleimhaut bewirken.
  • Auch wird beim Kauen die Speichelproduktion hochgefahren und die Darmbewegungen sowie Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse angeregt.
  • Bittermittel helfen besonders gut bei Appetitlosigkeit, Verstopfung, Völlegefühl und Blähungen; vor allem, wenn mit fortschreitendem Alter die Magensaftproduktion nachlässt. Auch bei Mundtrockenheit können sie helfen.
  • Darüber hinaus entfalten Bitterstoffe ihre anregende und kräftigende Wirkung auf den gesamten Organismus. Wer unter chronischer Müdigkeit oder zu viel Stress leidet, kann durch Bittermittel wieder zu neuen Kräften kommen, da diese die Aufnahme von Nähr- und Vitalstoffen aus der Nahrung steigern.
  • Auch bei Hautbeschwerden wie Ekzemen oder Hautunreinheiten kann eine kurmäßige Anwendung von Bitterstoff-Zubereitungen unterstützend wirken.
  • Ein angenehmer Nebeneffekt der Bitterstoffe ist, dass sie die Lust auf Süßes vertreiben. Wer also abnehmen möchte, indem er weniger nascht, kann sich Unterstützung in Form von Bitterstoffen holen.

Anwendungstipps:

  • Bitterstoff-Arzneimittel werden prinzipiell gut vertragen und können bei Bedarf auch über längere Zeit angewendet werden. Nicht geeignet sind sie bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür; da sollte auf eine konzentrierte Zufuhr verzichtet werden.
  • Ob als Tee, Kräuterbitter oder Tinktur, Frischpflanzenextrakt, Spray für die Mundschleimhaut oder Kapsel eingenommen – jede Bitterstoffpflanze besitzt ihr eigenes Wirkprofil, weshalb Dosis und Einnahmezeitraum sehr individuell festgelegt werden und der Rat des Apothekers bei der Wahl des passenden Produkts hilfreich ist.
  • Häufig sind niedrige Dosierungen völlig ausreichend, zum Teil auch nur wenige Tropfen pro Tag.
  • Über den Zeitpunkt der Einnahme: Vor dem Essen eingenommen, aktivieren Bittermittel die Verdauungsenzyme und regen den Speichelfluss an. Nach dem Essen wirken Kräuterbitter dem Völlegefühl entgegen.