Bauch Magen Darm Probiotika - © Shutterstock

Die wichtige Rolle der Darmbakterien

Welche Faktoren unsere Darmflora beeinflussen und welche Risiken eine gestörte Darmflora birgt. Außerdem: Der Unterschied zwischen Probiotika, Präbiotika und Synbiotika.

Artikel drucken

Die Darmflora hat ehebliche Auswirkungen auf verschiedene Krankheitsrisiken. Die Art der Geburt, Muttermilch, Antibiotika-Behandlungen in der Kindheit, Kontakt zu Geschwistern und ballaststoffreiche Ernährung sind wesentliche Einflussfaktoren für ihre Zusammensetzung.

Kaum ein Bereich der Medizin hat in den vergangenen Jahren einen derart rasanten Wissenszuwachs erlebt, wie die Erforschung des Mikrobioms. Unsere Darmbakterien sind nicht nur für die Darmfunktion, sondern auch für viele weitere Vorgänge von Bedeutung. So spielt das Mikrobiom zum Beispiel eine wesentliche Rolle bei der Interaktion zwischen dem Darm und dem Zentralnervensystem.

Mikrobiom?

Damit sind die Billionen Mikroorganismen gemeint, die in und auf unserem Körper leben, wobei es sich größtenteils um Bakterien handelt. Heute weiß man, dass sie uns und unsere Gesundheit beeinflussen. Besonders jene im Darm spielen eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit. Man spricht hier auch vom Darmmikrobiom bzw. von der Darmflora.

Erste Lebensjahre sind entscheidend

In Bezug auf die Menge und Diversität entwickelt sich das menschliche Darmmikrobiom in den ersten Lebensmonaten und –jahren. Die Zusammensetzung ist wesentlich durch äußere Einflüsse in der Kindheit geprägt.

Mittlerweile weiß man, dass der Kontakt zu Mikrobiota bereits im Mutterbauch erfolgt: Der Uterus ist nicht komplett steril. Neuere Untersuchungen konnten zeigen, dass in der Plazenta von gesunden Schwangeren Bakterien leben.

Gut zu wissen:

Die Einnahme von Antibiotika erhöht das spätere Risiko des Kindes für Allergien.

Die Art der Geburt

Der zweite entscheidende Schritt zur Besiedlung des kindlichen Magen-Darm-Trakts ist die Geburt, nach der innerhalb von Stunden eine bakterielle Kolonisation des gesunden Darms von Neugeborenen nachweisbar ist.

Dabei gibt es erstaunliche Unterschiede zwischen Kindern, die vaginal zur Welt kommen, und jenen, die per Kaiserschnitt geholt werden: Das Darmmikrobiom von vaginal entbundenen Kindern ähnelt sehr jenem der frischgebackenen Mama. Das Mikrobiom von Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ähnelt eher der maternalen Haut (Hautflora).

Diese Unterschiede könnten für erhöhte Krankheitsrisiken von Kaiserschnitt-Kindern für Asthma bronchiale, Nahrungsallergien, Zöliakie und Diabetes Mellitus verantwortlich sein. Innerhalb von sechs Monaten gleichen sich die Mikrobiome von per Kaiserschnitt geholten Kindern aber wieder an.

Der Einfluss des Stillens

Stillen Baby Illustration - Es wird empfohlen, Babys in ihren ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. - © Shutterstock
Es wird empfohlen, Babys in ihren ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. © Shutterstock

Auch die Muttermilch ist eine wichtige Quelle für die Besiedlung des Darms in den frühen Lebenstagen. Diese enthält ein breites Spektrum an Bakterien, wobei die Konzentrationen individuell unterschiedlich sind und im Laufe der Zeit variieren.

Welche Rolle spielt die Darmflora bei Krankheiten?

Bei Erwachsenen präsentiert sich die Darmflora sehr vielfältig, aber individuell erstaunlich stabil. Jeder Mensch hat seinen eigenen Mikrobiom-Fingerabdruck. Vergleicht man aber Gesunde mit Personen, die zum Beispiel Adipositas, Allergien, Asthma, COPD oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) haben, kann man Veränderungen feststellen:

  • Im Vergleich zu gesunden Menschen haben diese ein Ungleichgewicht der Darmflora, das sich bereits vor Ausbruch der Krankheit findet.
  • Bei all diesen Erkrankungen ist zudem die Diversität des Mikrobioms reduziert, und zwar ebenfalls bereits vor Ausbruch der Erkrankung.

Einige mögliche Auswirkungen einer gestörten Darmflora:

  • CEDs (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa)
  • Reizdarmsyndrom
  • Durchfallerkrankungen
  • Dickdarmkrebs
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Allergische Erkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen (Typ-1-Diabetes, Arthritis, etc.)

Die Bedeutung von Ballaststoffen

Ballaststoffe Ernährung - Ballaststoffreiche Lebensmittel sorgen für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl, für einen stabilen Blutzuckerspiegel und sie unterstützen unsere Darmtätigkeit. - © Shutterstock
Ballaststoffreiche Lebensmittel sorgen für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl, für einen stabilen Blutzuckerspiegel und sie unterstützen unsere Darmtätigkeit. © Shutterstock

Wir können unser Darmmikrobiom durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung positiv beeinflussen.

Bakterien brauchen bestimmte Nährstoffe, die überwiegend aus der Nahrung stammen. Ein bekanntes Beispiel sind Ballaststoffe, wie sie unter anderem in Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide enthalten sind. Im Grunde sind diese für den Menschen unverdaulich – aber nicht für bestimmte Bakterien, die ebendiese Ballaststoffe brauchen, um zu überleben. Diese Bakterien nützen der Darmschleimhaut und können Entzündungen unterdrücken. Man weiß mittlerweile, dass eine ballaststoffreiche Ernährung zum Beispiel vor Krebs und CEDs schützen kann.

Pro-, Prä- und Synbiotika

  • Probiotika: Das sind lebensfähige Mikroorganismen, die nachweisbar positiv auf die Gesundheit des Menschen oder des Tieres wirken. Ein typisches probiotisches Lebensmittel ist zum Beispiel Joghurt. Es gibt aber auch medizinisch hergestellte Probiotika, die in Apotheken erhältlich sind.
  • Präbiotika: Das sind unverdauliche Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe), die selektiv das Wachstum und die Aktivität von residenten Darmbakterien steigern und so unsere Gesundheit verbessern. Mit resident sind jene Bakterien gemeint, die den Darm ständig besiedeln. Präbiotische Lebensmittel sind zum Beispiel Getreide (etwa Hafer oder Roggen), Hülsenfrüchte, Bananen, Zwiebeln und Artischocken.
  • Synbiotika: Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Prä- und Probiotika, die das Überleben von probiotischen und „einheimischen“ Stämmen erhöht. Die Muttermilch ist ein natürliches Synbiotikum.