Viele Menschen kennen es: Kaum hat man zu süß oder fett gegessen oder Alkohol getrunken, kommt es zu einem unangenehmen Brennen in der Speiseröhre und hinter dem Brustbein, oft verstärkt durch das Hinlegen oder in der Nacht. Neben den klassischen chemischen Substanzen und Mitteln gegen Sodbrennen können verschiedene pflanzliche Zubereitungen, meist als Tee, Linderung verschaffen.

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Bei der Refluxkrankheit kommt es zum Zurückrinnen der Magensäure in die Speiseröhre, was zu unterschiedlichen Beschwerden und Komplikationen führen kann. Zu dieser Erkrankung kann es kommen, wenn der untere Schließmuskel der Speiseröhre zu stark entspannt ist bzw. einen zu niedrigen Muskeltonus aufweist, durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, durch Übergewicht, Rauchen und bestimmte Lebensmittel oder Alkohol. Auch Medikamente oder Probleme mit dem Zwerchfell (Zwerchfellbruch) können Auslöser sein. Zum typischen Symptom Sodbrennen kommt es häufig nach dem Essen, in Rückenlage oder nachts.

Weitere Beschwerden können unter anderem ein Zurücklaufen von Magensäure in den Rachen und Mund, Schmerzen oder Druckgefühl im Brustkorb, Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen sein. Es kann helfen, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten bzw. Übergewicht zu reduzieren. Essen Sie zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr. Kommt es im Liegen zum Sodbrennen, kann es hilfreich sein, mit etwas erhöhtem Oberkörper zu liegen, indem beispielsweise zwei Kopfpolster verwendet werden oder das Betthaupt etwas aufgestellt wird. Für die Therapie kommen meist Medikamente zum Einsatz, die die Magensäureproduktion hemmen, die Säure neutralisieren oder sie am Aufsteigen in die Speiseröhre hindern. Bei einer nachgewiesenen Infektion mit Helicobacter pylori wird eine Therapie mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern angewandt. Neben diesen Standardtherapien und chemischen Medikamenten können zur Unterstützung oder bei milden Beschwerden auch als alleinige Therapie pflanzliche Zubereitungen helfen, Beschwerden zu lindern.

Reflux: Zahlen & Fakten

  • Die Speiseröhre verläuft durch den Brustkorb und das Zwerchfell und mündet in den Magen. In den unteren 6 Zentimetern besitzt die Speiseröhre ein sogenanntes Anti-Reflux-Ventil.
  • 30 bis 40 Prozent der Österreicher:innen verspüren 1- bis 2-mal pro Woche Reflux-Symptome.
  • Circa 20 bis 30 Prozent jener, die regelmäßig unter Sodbrennen leiden, haben bereits krankhafte Veränderungen an der Speiseröhrenschleimhaut.

Schleimdrogen – Malve, Eibisch, Lein

Bei der Malve, auch Käsepappel genannt, kommen sowohl die Blätter als auch Blüten zum Einsatz. Diese enthalten unter anderen bis zu 10 % Schleimstoffe und zusätzlich Gerbstoffe. Die Schleimstoffe legen sich schützend über die Schleimhaut des Verdauungstrakts, wodurch es zu einer Reizlinderung und Linderung von etwaigen Entzündungen kommt. Die enthaltenen Gerbstoffe unterstützen diese Wirkungen. Zusätzlich hat die Pflanze säurehemmende Eigenschaften. Beim Eibisch finden die Wurzeln mit bis zu 20% und die Blätter mit circa 5 % Schleimstoffen Anwendung. Auch hier kommt es zur Bildung eines Schutzfilms über der Schleimhaut und zu einer Wirkung als Säurepuffer. Leinsamen beinhalten bis zu 19 % Schleimstoffe, es kommt zu schleimhautschützenden, säurepuffernden und die Magensäure reduzierenden Effekten.

Malve

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Eibisch

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Leinsamen

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Schleimdrogen werden prinzipiell als Kaltauszug zubereitet. Das bedeutet, man verwendet einen Teelöffel der Droge auf eine Tasse Wasser, wobei die Droge mit kaltem Wasser übergossen und anschließend ein bis zwei Stunden stehen gelassen wird, dabei sollte immer wieder umgerührt werden. Davon können täglich zwei bis drei Tassen getrunken werden. Die Zubereitung sollte dabei immer innerhalb von zwei bis drei Stunden aufgebraucht werden, da es ansonsten zu einer Verkeimung kommen kann. Der Lein wird zubereitet, indem ein bis zwei Teelöffel geschroteter, aufgeschlossener oder ganzer Lein in ein Glas Wasser gegeben werden und circa eine Stunde quellen gelassen wird. Anschließend werden die Samen abgeseiht und das Wasser schluckweise getrunken, wobei bis zu drei Gläser am Tag eingenommen werden können. Für alle Zubereitungen aus Schleimdrogen gilt, dass die Schleimstoffe die Aufnahme von Medikamenten oder Nahrungsbestandteilen verzögern oder verhindern können. Daher sollten Schleimstoffzubereitungen mit einem Abstand von mindestens zwei Stunden zu Medikamenten eingenommen werden. Die Anwendungsdauer sollte maximal eine Woche betragen und die Pausen dazwischen ebenso eine Woche.

Kamille: Das Schleimhautmittel

Die Kamille kann bei Schleimhautbeschwerden aller Art zur Anwendung kommen. Verwendet werden die Blütenköpfe, welche unter anderem ätherische Öle und Schleimstoffe beinhalten. Diese wirken entzündungshemmend und beruhigend sowie reizlindernd auf den Magen. Angewendet wird die Kamille zum Beispiel als Tee, wobei 1 TL mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen wird und zehn Minuten zugedeckt ziehen gelassen wird.

Achtung: Ungeeignete Hausmittel

Der Mythos einiger Hausmittel bei Sodbrennen hält sich hartnäckig, obwohl diese sogar kontraproduktiv wirken können, z. B. das Trinken von Milch. Dies kann zu einer Verschlechterung der Beschwerden führen, da Milch selbst sauer ist und außerdem einen gewissen Fettgehalt aufweist. Auch Pfefferminztee und Verdauungsschnäpse sind zu meiden.

Apo-Tipp

Rollkur

Etwas in Vergessenheit geraten, aber wirkungsvoll ist die Rollkur, welche z. B. mit Kamillentee durchgeführt werden kann. Dabei wird eine Tasse Tee am besten nüchtern noch vor dem Frühstück getrunken. Anschließend legt man sich auf den Rücken, dann auf die linke Seite, den Bauch und die rechte Seite, wobei man in jeder Position fünf bis zehn Minuten verweilt. Anschließend wird für eine halbe Stunde geruht. Durch dieses Vorgehen können die Wirkstoffe alle Bereiche des Magens erreichen.